Planspiele zum interkommunalen Handel mit Flächenausweisungskontingenten

Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt Wirtschaftswissenschaften für Nachhaltigkeit des Programms Forschung für Nachhaltigkeit (fona) gefördert.

Hintergrund

Bei der Neu-Inanspruchnahme von Freiflächen für Siedlung und Verkehr besteht in Deutschland eine große Diskrepanz zwischen aktueller Entwicklung und der Zielsetzung laut nationaler Nachhaltigkeitsstrategie. Aus diesem Grund wird seit einiger Zeit darüber nachgedacht, den Flächenverbrauch unter Einsatz ökonomischer Instrumente zu möglichst geringen Gesamtkosten zu begrenzen. Neben einer Flächennutzungssteuer werden handelbare Flächenausweisungskontingente als geeignete Instrumente hervorgehoben.

Der besondere Vorteil handelbarer Flächenausweisungskontingente besteht darin, dass bei verbindlich vorgegebenen Globalzielen für die Begrenzung des Flächenverbrauchs den Kommunen (und ggf. weiteren Verwaltungsebenen als Träger überörtlicher Vorhaben) Flexibilität und Handlungsspielräume eröffnet werden und neue Siedlungs- und Verkehrsflächen dort ausgewiesen werden, wo dies unter Einhaltung der Umwelt- und Raumordnungsziele aus ökonomischer Sicht am sinnvollsten ist. Im Unterschied zu steuerlichen Anreizen ist bei einem Handelssystem sichergestellt, dass die politisch vorgegebenen Flächenverbrauchsziele auch erreicht werden. Dieser Aspekt ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil Flächen eine Ressource darstellen, die in der Regel weder vermehrbar, noch substituierbar und zudem immobil ist.

Ziele

In mehreren Vorstudien wurden die Designparameter eines Systems handelbarer Flächenausweisungskontingente erarbeitet und verschiedene Gestaltungsoptionen diskutiert. Offen ist die Frage, welche Anreizwirkung dieses Instrument konkret entfaltet und inwiefern sich durch ein solches Handelssystem die erwarteten Effizienzgewinne tatsächlich realisieren lassen. Dabei sind die Strategien, die von Kommunen im Rahmen eines solchen Systems verfolgt werden, bei der Analyse zu beachten. Zur Beantwortung dieser Fragen sollen verschiedene Ausgestaltungsszenarien für einen Handel mit Flächenausweisungskontingenten in mehreren Planspielen simuliert werden.

In einem ersten Block wird ein Planspiel in mehreren Runden mit Teilnehmern aus Kommunen durchgeführt. Ausgewählte Praxisakteure sollen hier möglichst realitätsnahe Erfahrungen mit dem Handel von Flächennutzungskontingenten sammeln.

Im zweiten Block folgen ergänzende Analysen, u. a. zur vertieften Analyse der Handelsstrategien der Kommunen und zu Verteilungsfragen bei der Erstzuteilung. Außerdem werden kontrollierte Experimente mit Studenten nach den Methoden der Experimentellen Ökonomie durchgeführt. Eventuelle Unterschiede im Vergleich zu anderen Handelssystemen (z. B. CO2-Emissionsrechtehandel) sollen identifiziert und Rückschlüsse für die Ausgestaltung eines Systems handelbarer Flächenausweisungskontingente gewonnen werden.

Das Vorhaben leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlich fundierten, konkreten Weiterentwicklung dieses Politikinstruments und zur langfristigen Erreichung nachhaltiger Flächenverbrauchsziele.


Kontakt

Fraunhofer ISI
Dr. Katrin Ostertag
Tel.: +49 (0)721 6809-116